OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Ich höre viel Musik und beurteile sie gerne. Als Laie, nur als Hobby und ohne kommerzielle Absichten. Ich suche mir dazu Themenbereiche, die ich dann etwas umfangreicher bearbeite. 2019 war es die Erotik. Die Wirkung von Musik auf das Sexualverhalten. Musik vielleicht als Ersatz für Viagra?

Playlist als Appetizer

Im Frühjahr 2019 habe ich etwa 13 Stunden lang die ersten 10 Kuschelrock Best CDs angehört. Ich war neugierig, welche Auswahl die Musik Profis dafür ausgewählt hatten und wollte besser die Substanz dieses Genres verstehen. Kuschelrock Best of 1 & 2

Ich gebe zu, es war kein reines Vergnügen, auch wenn ich immer Pausen eingelegt habe. Kuschelrock ist im wesentlichen eine Aneinanderreihung von Balladen, alle gesungen, alle in Englisch und kein einziger reiner Instrumentaltitel. Außer dass viele Love Songs vorgekommen sind, oft geschrien wurde und ein langer Zeitraum abgedeckt wurde, konnte ich wenig gemeinsames entdecken. Sicher eignen sich auch viele Titel als Songs für Verliebte, aber Erotik ist dann doch eine andere Stufe.

Als Muzak auf einer Kreuzfahrt kann ich mir diese Sammlung gut vorstellen. Da ist dann sicher auch was dabei, um sich zu verlieben. Oder auch als Musik fürs Aufräumen oder Arbeiten. Da wird jeder Geschmack etwas bedient und nichts eckt besonders an. Aber als Motivation für Sex? Eher nicht. Nun ja, die Geschmäcker sind verschieden.

Was ist Erotik Musik?

Musik von Natacha Atlas zum Beispiel, sagt das Internet. Habe ich mir ausführlich angehört. Es ist exotisch, aber nicht erotisch. Wie sagte ein Experte: Der Bolero von Ravel ist erotisch. Da werden viele zustimmen. Auch hier bleibt die Unsicherheit, ob es nur die Musik alleine ist, oder sind es doch eher die Bilder von den Tänzen, die dazu gezeigt werden?

Im Schweizer Hitparaden Forum  von 2005 bis 2020 bekommt man einen guten Eindruck, wie vielfältig man dieses Thema Erotic Music sehen kann.

Der Soundtrack from Siesta - Miles Davis and Marcus Miller hat mich nicht total überzeugt, eher als Trauermusik. Aber es ist kein Zufall, dass Trauermusik auch erotisierend wirkt, vermute ich. Gewisse Grundformen sind ähnlich. Fließende, monotone, lange Titel, starke Gefühle, Sehnsucht passen für beide gut.

Barry Manilow, Barry White, Hot Chocolate, Donna Summer, Pink Floyd? Ja, habe ich versucht und manchmal hat es früher auch gewirkt. Aber nicht für jeden, manche reagierten auch allergisch darauf. Hier einige Beispiele dazu zum Anhören:

Barry White - I feel love

Hot Chocolate - You Sexy Thing

Joe Cocker - You can leave your hat on

Donna Summer - Love to love you baby

Donna Summer - I feel love

Zucchero - Dune mosse

Wie könnte man „Erotische Musik“ beschreiben? Diese Frage hat mich ein ganzes Leben lang interessiert. Und ich habe auch viele verschiedene Antworten gefunden. Meine Spielwiese waren vor allem Partys, zu denen ich Musik beigesteuert habe. Da kann man die Wirkung ziemlich deutlich abschätzen. Hier ein kleiner Rückblick:

Soul war ziemlich die erste Richtung. Und bis heute würde ich langsamen Soul bevorzugen.

Leonard Cohen war lange Zeit der Maßstab meiner jungen Jahre

Und auch Blood, Sweat and Tears mit den komplexen Bläser Sätzen.

Unüberbietbar war auf Ö3 „Musik zum Träumen“ mit der Kennmelodie Last Date von Duane Eddy / Floyd Cramer

Billy Swan „Dont be Cruel“ war 1975 optimal

Es gab viele verwandte Richtungen. Musik zum Entspannen, exotische Musik. Viele Arten von Tanzmusik, wie Walzer, speziell Langsame Walzer, Tangos, Rumba, Lambada. Nach wie vor halte ich Tango und Rumba beim Zuhören für die bessere Wahl. Und Langsame Walzer beim Tanzen.

Auch Musik zum Arbeiten kann erotisierend wirken. Tiefe Stimmen oder Instrumentaltitel, fließende Rhythmen, keine Pausen (Softmix Übergänge), Wiederholungen, sehr lange Titel. Und auch umgekehrt, Musik die als „Erotic Music“ angepriesen wird eignet sich auch oft gut zum Arbeiten. Die Bezeichnung „Lounge Music“ war gar nicht schlecht für beides.

Herbie Mann - Memphis Underground (1969)

Deodato - Also sprach Zarathustra (1973)

Guter Indikatoren sind Einstellungen auf Endlos, Musik, die süchtig macht, die man gerne auch leise und nebenbei hört. Und vor allem muss man sie gemeinsam hören können.

Erotica in anderen Medien (Skulpturen, Fotos, Videos) zeigen entweder Geschlechtsteile oder Geschlechtshandlungen. Analog müsste Erotische Musik Geschlechtsgeräusche oder Töne bieten. Das wurde ja auch versucht, wurde anfangs sogar verboten, heute aber klingt es eher lächerlich als anregend.

Aber eine schöne erotische Ausstrahlung haben dennoch manche Duette mit tiefer Männerstimme und harmonischer Frauenstimme.

Meine nüchterne Erkenntnis 2020

Ja, es gibt erotische Musik, für individuelle Paare, für spezielle Situationen, als Folge gemeinsamer Erlebnisse, für bestimmte Zeiträume, zur Unterstützung erotischer Bilder. Nein, es gibt kein allgemeines, immer und überall gültiges Genre „Erotische Musik“ oder „Erotic Musik“. Und ja, trotzdem wird versucht unter diesem Titel Geschäfte zu machen. Und dagegen ist auch überhaupt nichts einzuwenden. Im Gegenteil!

Denn es wird immer wieder Menschen geben, die versuchen andere mit Musik zu verführen. Und manche darunter sind für etwas Hilfestellung vielleicht ganz dankbar. Aber eine generelle Garantie gibt es wahrscheinlich nicht. Dazu sind die Menschen und ihre Erinnerungen einfach zu verschieden.

The Manhattans - Kiss and Say Goodbye

Ob Musik als Viagra Ersatz dient, kann ich nach wie vor nicht beurteilen. Vielleicht in einigen Jahren!


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Mama Lion Preserve Wildlife 1972

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