OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Ich ärgere mich häufig, wenn es um Diskussionen von Wirtschafts- oder Gesellschaftsformen geht. Nun ist es bei komplexen Fragen normal, dass viele verschiedene Antworten als die jeweils richtigen angesehen werden und mit entsprechendem Engagement vertreten werden, denn sie betreffen die Menschen ja auch ganz direkt.

Im Gegensatz zur Physik oder Mathematik kann die Politik nur schlecht Versuche durchführen, die Beweise oder Gegenbeweise bringen, denn die möglichen Schäden wären zu groß. Daher mangelt es auch an bewährten Theorien. Es gibt zu viele Ansichten, die alle ganz vernünftig klingen, die sich aber auch drastisch widersprechen. Man wird es also eher mit Glaubensrichtungen und Meinungen zu tun haben, als mit Fachwissen.

Kompliziert wird die Situation auch noch dadurch, dass alle Beteiligten nicht nur aktive Akteure sind, sondern auch passiv Betroffene. Sie können beliebig ihre Ansichten ändern und sie sind auch mehr oder weniger leicht beeinflussbar. Es ist deshalb durchaus angebracht, den Begriff Psychologie auch auf dem Gebiet der Wirtschaft und Politik anzuwenden. Interessanterweise würde Soziologie hier viel besser passen, aber es wird nicht verwendet.

Ich will hier keinen Vergleich zwischen den verschiedenen Ansichten durchführen, dies wurde schon oft gemacht und überzeugt nicht mehr wirklich. Mir ist es viel wichtiger eine Messlatte zu schaffen, nach der "objektiver" entschieden werden kann.

Im Zentrum der Messlatte will ich menschliche Bedürfnisse ansiedeln. Sie werden vorrangig ausschlaggebend dafür sein, ob ein System akzeptiert oder abgelehnt wird. Und ich halte sie auch nicht für veränderbar. Menschen bleiben, wie sie sind, veränderbar sind aber die politischen und wirtschaftlichen Systeme, in denen sie sich bewegen.

Religiöse Fragen lasse ich außen vor. Sie sind für viele auch entscheidend, aber sie sind als Kriterium weniger geeignet, weil sie für die Betroffenen ohnehin nicht verhandelbar sind.


1. Freiheit

Wenn ich mir anschaue, warum aktuelle Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme gescheitert sind, dann ist es vorrangig der Mangel an Freiheit. Andererseits wird es aber unbeschränkte Freiheit auch nicht geben können, dazu sind wir zu viele Menschen und wir leben auch zu dicht zusammen.

Die Kunst wird sein, ein gemeinsames Optimum an Freiheit zu schaffen, ohne dass Einzelne darunter zu sehr leiden. Muss die Freiheit beschränkt werden, dann muss es gute Gründe dafür geben, wie z.B. Schutz vor Gefahr.

2. Wohlstand

Darunter verstehe ich den Wohlstand, wie er im Globismus definiert wird: Wenn Menschen alles zur Verfügung haben, was sie für ihr Leben brauchen, dann leben sie im Wohlstand.

Ich finde es richtig, dass Wohlstand durch eigene Arbeit geschaffen wird und nicht nur verteilt wird. Da Menschen unterschiedliche Talente haben und auch verschieden fleißig sind, wird der Wohlstand verschieden sein. Ich habe also kein Problem damit, dass es Reiche gibt.

3. Frieden

Es scheint mir wichtig zu sein, dass Frieden ein zentrales Kriterium für jede Art von System oder Ordnung ist. Damit ist nicht gemeint, dass alle der gleichen Meinung sind oder gleich viel besitzen, sondern dass es nachvollziehbare und einsichtbare Verfahren gibt, die eventuelle Ungerechtigkeiten und Streitfälle regeln. Ich vermeide bewusst den Begriff "Gerechtigkeit", weil er nichtssagend ist.

4. Respekt

Es ist wichtig, dass der Einzelne in einer Gesellschaft, seine Bedürfnisse und sein Besitz respektiert werden. Die Menschenrechte beschreiben dies ganz gut und ich will sie deshalb hier nicht wiederholen.

5. Nachhaltigkeit

Wir haben als denkende Wesen auch die Verantwortung für den Globus insgesamt. Was immer wir tun, man muss sich also auch die Frage gefallen lassen: Ist es für die Welt insgesamt gut, oder zumindest ertragbar?


Wenn ich nun zurückschaue, dann finde ich, dass die in Deutschland praktizierte Form des Kapitalismus, die Soziale Marktwirtschaft, meine Anforderungen ganz gut erfüllt. Ich sehe also keinen Grund, sie aufs Spiel zu setzen und damit dramatische Verschlechterungen zu riskieren. Sicherlich wird man mit jeder Krise und jedem Missstand dazulernen müssen, aber deshalb die Grundsätze über Bord zu werfen, das leuchtet mir nicht ein.


Gilt es nun Veränderungen, z.B. das Wahlprogramm einer Partei, zu prüfen, dann will ich diese 5 Prüfsteine anzulegen. Wichtig ist, dass neue Vorschläge sich schon (irgendwo) bewährt haben. Nur gut klingende, aber in der Praxis nicht als tauglich befundene Vorschläge können leicht in die Irre führen. Ich erinnere, dass der Kommunismus zu Beginn gerade das versprochen hat, was er später dramatisch verletzt hat: Freiheit, Wohlstand und Frieden.

Zuletzt (Dezember 2011) habe ich das Wahlprogramm der deutschen Piratenpartei daran gemessen. Es ist durchgefallen, weil es mir nicht die Sicherheit vermittelt, dass es Wohlstand schafft. Den Piraten fehlen erfahrene Leute, die nicht nur kreativ sind, sondern die auch die Grenzen von Veränderungen kennen. Schade, ich hätte mir sehr gewünscht, dass in Deutschland endlich wieder eine neue, funktionierende, liberale Partei entsteht. Aber wahrscheinlich muss ich noch lange darauf warten.


Ein wichtiger Faktor in der Politik ist Unterhaltung. Da sieht es in Deutschland triste aus. Einige der aktuellen Prominenten sehen bei ihren Reden aus, als hätte sie Magenkrämpfe, Blähungen oder andere Schmerzen und es bereitet mir große Schwierigkeiten, diese Menschen anzuschauen. Viele zeigen so viele Sorgen oder Verachtung, dass schon ihre ganze Mimik davon geprägt ist. Auch die Rhetorik im engeren Sinne, d.h. die Qualität der Stimme, ist oft schwach entwickelt. Da macht es keinen Spass zuzuschauen.


Ich habe einige Versuche gemacht, Kinder für Politik zu begeistern. Es hat nicht geklappt. Ein Grund ist sicher, dass in unserem System Politik immer Zugehörigkeit zu einer Partei bedeutet und wer will schon all diese Kompromisse eingehen, um sich dort durchzusetzen.

Wer heute jung ist, kreativ ist, Energie besitzt und einen Beitrag zur Entwicklung der Menschheit leisten will, der geht offenbar andere Wege.

 

 

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