OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Ich habe in jeder Lebensphase meine Lieblingskleidung gehabt. So erinnere ich mich weit zurück in meine frühe Kindheit, wo eine sehr bequeme, kurze Hose mich über drei Sommer begleitet hat, obwohl ich da noch stark gewachsen bin. Aber da ich immer gleich dürr geblieben bin, hat das wenig ausgemacht.

Die Kriterien an das Material haben sich über meine ganze Lebenszeit kaum verändert. Weich muss es sein und trotzdem seine Form behalten, heute im Alter kommt höchstens noch dazu, dass ich es selbst leicht reinigen kann. Das hat mich früher weniger interessiert, weil dienstbare Geister dies für mich gemacht haben.

Das Material selbst aber, aus dem die Kleidung gemacht wurde, hat sich stark verändert und es ist unter dem Strich immer besser geworden. Habe ich über lange Zeit meines Lebens nur Baumwolle problemlos auf der Haut tragen können, so sind heute auch synthetische Stoffe tragbar geworden. Besonders Fleece schätze ich inzwischen sehr. Zu seinen besten Eigenschaften gehört, dass es extrem schnell trocknet. Schleudert man es bei hohen Drehzahlen, dann kann man es praktisch direkt aus der Waschmaschine anziehen.

Ein großes Problem früherer Zeit waren die Temperaturunterschiede, die mit der Kleidung ausgeglichen werden mussten. Wer wir ich schon um 4h morgens aufstehen musste und dann den ganzen Tag unterwegs war, musste sich unweigerlich umziehen, um nicht entweder total verfroren oder total verschwitzt zu sein. Mit modernen Stoffen ist dies ein wesentlich geringeres Problem.

In den Berufszeiten, wo ich repräsentieren musste, haben sich "Uniformen" sehr gut bewährt. Dies waren Boss Anzüge, Van Laack Hemden und Schuhe von Sioux. Darin konnte man auch mehrere Tage gut aussehen, ohne sie zu wechseln, was wichtig war, wenn man z.B. die Nacht durchfliegen musste oder der Koffer nicht rechtzeitig ankam.

Wie für andere Menschen auch, muss das Lieblingskleidungsstück für mich mindestens zwei Bedingungen erfüllen. Es soll mir gut stehen und es soll bequem sein. Damit es ein Lieblingskleidungsstück werden kann, muss es auch lange halten, das heißt, es darf die Form nicht verändern und es soll nicht zu sehr unter dem Reinigen leiden. Leider geht ja die meiste Kleidung nicht durchs Tragen, sondern durchs Reinigen kaputt.

Farben spielen für mich eine geringere Rolle. Selbstverständlich sollen sie schon zueinander passen und Blautöne werden bevorzugt. Aber es ist nicht so wie bei meinen Enkeltöchtern, die auf eine ganz bestimmte Variante von "pink" festgelegt sind und alles andere ablehnen. Auch Aufdrucke sind nicht mehr so mein Ding. Früher habe ich noch selbst T-Shirts bedruckt.

Kaum eine Rolle spielt mehr, wo ich diese Kleidung gekauft habe und geschenkt bekomme ich ohnehin schon lange nichts mehr. Also wird mehr und mehr im Internet bestellt. Da es kaum noch Verkäufer für Kleidung gibt, scheint auch der Rückkanal für Kundenwünsche nicht mehr zu funktionieren. Die diversen Etiketten wären sonst schon längst aus den Kleidungsstücken verschwunden, denn sie sind unnötig wie ein Kropf und ich entferne sie nach dem Kaufen (mit großem Aufwand) sofort.

Ganz unwichtig sind inzwischen Markennamen. Sie haben nicht gehalten, was ich mir von ihnen erwartet habe. Die größte Enttäuschung bereiten sie mir, wenn ich bewährte Kleidungsstücke schon nach kurzer Zeit nicht mehr nachkaufen kann, weil die Mode sich inzwischen geändert hat. Wozu dient dann noch eine Marke, wenn sich der Inhalt ständig ändert?

Ich vermisse "Klassiker", Kleidungsstücke, die so perfekt sind, dass man sie nicht mehr verändert und ich vermisse auch bewährte Grundfarben, wie schwarz. Modefarben sind mir ohnehin ein Greuel, denn sie nutzen sich optisch zu schnell ab und nach einem Jahr kann man sie nicht mehr sehen.

Mir wäre es sehr viel lieber, die Kreativität der Schneider würde sich in der Qualität, im Komfort und in der Einfachheit der Reinigung niederschlagen, als in anderen Modegags, wie Schnitten oder Accessoires. So ist es mir unverständlich, dass nach jahrzehntelangen Kontrollen an Flughäfen noch niemand auf die Idee gekommen ist, Kleidung so zu fabrizieren, das sie frei von Metallen ist und die Detektoren nicht "piepsen". Auch das Vernachlässigen großer Altersgruppen, wie die Senioren, spricht nicht gerade für Kreativität der Modebranche. Wären Schneider nicht so teuer, ich würde mir alle Kleidung nach meinen Wünschen machen lassen. Denn leider diktiert die Modebranche mehr, als dass sie auf Kundenwünsche hört.

Ein Hauptgrund, warum ich heute immer das Gleiche anziehe, ist also weniger die Einsicht, was mir besonders gut passt oder die Erfahrung, was sich bewährt hat, sondern schlicht die Tatsache, dass ich in den Läden meiner Stadt nicht bekomme, was mir zusagt. Also bleibe ich bei dem, was ich habe und es ist ein großes Drama, wenn das Kleidungsstück dann wirklich untragbar geworden ist.

Ein angenehmer Nebenerffekt jedoch ist, dass dadurch mein Wiederkennungswert groß geworden ist. Besonders meine Mütze scheint mich zu prägen, denn habe ich sie mal nicht auf, erkennen mich viel weniger Menschen.

 

 

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