OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Google+ und seine Teilnehmer haben meine Erwartungen nicht erfüllt. Lange Zeit hat es so ausgesehen, als wäre G+ das bessere Facebook, das Social Web für Erwachsene, aber einige neuere Entwicklungen lassen mich inzwischen daran zweifeln. Trotzdem bleibe ich  aus Trägheit noch bei G+, Neulingen aber empfehle ich Twitter.

Das ist nicht Larry von Twitter, aber trotzdem schön!


Am 26.Juli 2013 habe ich gründlich zwei meiner G+ Accounts (Otto Buchegger auf kurz gplus.to/buchegger und Tübingen Tipps oder kurz gplus.to/tuebingen) aufgeräumt. Ich bin im Profilmodus durch alle meine noch verbliebenen eigenen oder geteilten Posts gegangen und habe jene gelöscht, die inzwischen obsolet waren. Es waren mindestens 3 Viertel und ich bin dabei ein gutes Jahr zurück gegangen.

Ein Jahr ist eine lange Zeit im Internet. Google+ existiert erst seit etwa 2 Jahren und ich war einer der ersten Nutzer. Also ist meine Erfahrung durchaus ein persönlicher Langzeittest.


Meine Erfahrungen

Die Stärken von Google+ wurden nicht genutzt

Zwei technische Eigenschaften haben G+ wesentlich von Facebook unterschieden. Das Follower Prinzip und die Kreise. Nach vielen Versuchen hatte ich zum Schluss nur noch zwei Kreise, "meine Familie" und "öffentlich". Alles andere hat sich zumindest für mich als unpraktisch erweisen.

Das Follower Prinzip (ähnlich wie bei Twitter) war anfangs wirklich ein Segen, aber Google hat den Vorteil vernichtet, nachdem es 2013 die Benachrichtigungen fürs Plussen eingeführt hat. Dies kann man zwar abstellen, aber viele User haben entweder nicht kapiert, dass sie damit nerven oder wissen nicht, wie man es abstellt.

Das dritte Feature (Hangouts und Hangouts on Air) wurde in Deutschland zum Flop, weil man dazu eine Sendelizenz braucht und niemand in der Politik hat sich darum gekümmert, dass dies geändert wird. Deshalb ist auch meine Prognose, dass G+ Hangouts eine wichtige Rolle im Superwahljahr 2013 spielen werden, nicht eingetroffen.

Der kommerzielle Nutzen ist zu gering

Wer nur auf das Geld, Einfluss oder die Reichweite geschaut hat, hat G+ schnell wieder verlassen und mit Facebook oder Twitter sein Glück versucht. Der Aufwand liegt bei G+ zwischen Facebook (sehr hoch) und Twitter (gering), aber wegen der größeren Anzahl der User hat Facebook (zumindest vorläufig) die Schlacht gewonnen. Nur wenige, die wie ich kein finanzielles Interesse haben, sind G+ treu geblieben und haben es aktiv genutzt, vor allem um ohne großen Aufwand eigene Fotos zu präsentieren.

Die G+ User wurden ebenfalls undiszipliniert

Das war anfangs nicht so. Man hatte mehr auf Netiquette geachtet, aber schnell wurde diese über Bord geworfen. Es wurde zu viel gepostet, zu viel geschmäht, zu viel geworben, die Qualität der Beiträge sinkt, unter dem Strich nervt G+ heute fast genau so, wie Facebook früher. Google selbst hat dies noch unterstützt, z.B. mit den animated GIFs. Für diese habe ich bisher nur eine einzige vernünftige Anwendung gesehen, nämlich zwei Bilder, die einen Ort mit und ohne Hochwasser zeigen. Alles andere ist schlicht Mist, leider sehr beliebt und wer den verbreitet, wird entfolgt.


Meine Konsequenzen

Die Anzahl meiner Kontakte ist drastisch gesunken

Ich habe mich an die alte Regel jeder Kommunikation gehalten: Am Anfang vertraue ich jedem, aber wer mich zweimal enttäuscht, den vergesse ich dauerhaft. Dies hat zu vielen Blockierungen geführt, viele wurden entfolgt (als Hauptgrund, weil sie zuviel triviales gepostet haben), viele Kontakte sind inzwischen von selbst inaktiv geworden, wenn man will, habe ich mich isoliert.

Ich lösche Beiträge wieder nach kurzer Verweildauer

Ein Social Web bleibt übersichtlicher, wenn man angekündigte Veranstaltungen schnell löscht, wenn sie vorbei sind, wenn man YouTube Videos Hinweise löscht, bevor das Video selbst gelöscht wird usw. Selbstverständlich kann es auch interessant sein, zu sehen, was gestern wichtig war, aber man verliert zu schnell den Überblick und alles wird mehr zur Belastung, als zum Nutzen.

Beiträge ohne Fotos sind uninteressant

Also füge ich Fotos ein, wo immer ich kann. Zum Glück habe ich eine große Auswahl davon!

G+ User zitieren zu viel, leisten zu wenig eigene Beiträge

Wer ständig andere Leitmedien zitiert, wird entfolgt. Wollte ich diese sehen, dann könnte ich ja direkt diesen Medien folgen, sie sind inzwischen alle auch auf G+. Tue ich aber nicht, weil sie mich anöden. Mich interessieren überwiegend eigene Beiträge, z.B. von echten Bloggern oder direkte PR, ohne den zweifelhaften Mehrwert der Journalisten. Eine Ausnahme mache ich bei Videos aller Art. Da ich wenig Zeit auf YouTube verbringe, bin ich für Videos dankbar.

Ich bleibe noch bei G+

Selbst wenn die Qualität weiterhin sinkt, so bleibe ich vorerst G+ treu, wenn man will, aus Trägheit. Zu Facebook kehre ich definitiv nicht zurück, rückblickend war es ausschließlich Zeitverschwendung. Vielleicht werde ich in einiger Zeit dies auch über G+ behaupten, aber noch ist es nicht so weit.

Als Konsequenz aber werbe ich nicht mehr für G+. Dazu müsste Google wirklich weitere Verbesserungen einführen und es nicht mit seiner Angleichung an Facebook weiter verschlechtern. Wenn mich ein Neuling um Rat fragt, was ich als Social Tool oder Web zum Schnuppern empfehle, dann ist es jetzt Twitter. Warum gerade Twitter? Es ist einfach, braucht wenig Aufwand und genügt, um die Grundfunktionen sozialer Kommunikation zu erfüllen.


Meine Empfehlungen an Google

Google hat vieles richtig gemacht. Das anwendungsübergreifende Log-in war ein genialer Schritt, Google Mail war gut, endlich konnte man seine Mailadresse von Spam freihalten und lange verwenden, die Integration aller Services in Google+ war auch richtig und hat das Leben vereinfacht. Trotzdem frage ich mich manchmal, ob man nicht vor lauter Sensationen, wie Google Glass, vergessen hat, warum es bei sozialen Netzen auch geht.

Google Geld

Es fehlt ein Anbieter für Micro Money im Netz. Ein Konto, mit dem man kleine Beträge, bis zu Bruchteilen von Cents, bezahlen und empfangen kann. Damit könnten viele Probleme gelöst werden, wie z.B. die Finanzierungen von Qualitätsinhalten im Netz oder einfaches Spenden und Crowd Sourcing. Google wäre prädestiniert dazu. Mit Google Adsense und Google Adwords, bei denen schon heute Geld fließt, hätte man eine gute technische Basis und schon genügend Erfahrung.

Google Geld, wie ich es nenne, sollte optionaler Teil des Google Accounts sein. Wer es verwenden will, füllt es auf oder hebt Geld ab, wie bei einem anderen Bank Konto auch. Die wesentlichen Unterschiede wären, dass das Geld nicht verzinst wird und dass es keine Kredite gibt. Richtig gemacht, wäre es ein Segen für die Internetkultur. Und ich bin überzeugt, das erste Social Web, das richtig (d.h. sicher, einfach und schnell) diesen Service anbietet, wird alle anderen überholen.

Die Gleichen finden

Bei den vielen Daten, die in sozialen Netzen analysiert werden, müsste es doch ein leichtes sein, dass Google Kontakte vorschlägt, die mir sehr ähnlich oder räumlich nahe sind. Ähnlichkeit, Gleichheit oder Nähe sind mit das stärkste Argument, damit man in Kontakt bleiben will.

Bei den Vorschlägen, die mir Google anbietet, spüre ich nichts davon. Meist sind es nur Menschen oder Organsisationen, die schon viele Follower haben und Google glaubt, diese würden auch mich glücklich machen. Falsch, kann ich nur sagen. Hier verpasst Google eine Riesenchance.

Unerwünschtes besser ausblenden

Dies beginnt schon bei der Google Suche. Warum werden immer noch Seiten angezeigt, die schon lange nicht mehr existieren, wird auf Seiten verweisen, die klare Abzocke sind, die mit Viren und Trojanern verseucht sind, die kriminelle Inhalte anbieten. Jede soziale Struktur schützt sich gegen solche Misstände, aber im Internet geschieht dies nicht ausreichend. Die Folgen sind großer Vertrauensverlust und im Extremfall das Verlassen des Mediums.

Bei speziellen Personen geht dies zum Teil. Ich kann Menschen blockieren, auch Organisationen, aber es funktioniert nicht bei Inhalten von Organisationen, die weiter geleitet werden. Ich mag zum Beispiel keine Informationen, die von Zeitungen kommen, die auf das deutsche Leistungsschutzrecht (LSR) pochen. Ich kann zwar das Zeitungsaccount blockieren, aber nicht die Inhalte, die mir dann jemand ständig weiterleitet und die potenziell riskant sind.


Nach einer anfänglichen Euphorie über G+ ist Ernüchterung eingekehrt. Menschen fragen sich, welchen Nutzen sie von diesem Sozialen Tool tatsächlich haben. Bereichert es das Leben, macht es das Leben einfacher, sicherer, bunter und glücklicher? Oder ist es auch nur eine vorübergehende Moderscheinung und wird wie viele andere vorher wieder untergehen?

Hat seine Existenz vielleicht doch nur Facebook gestärkt, weil Facebook seine vielen, offensichtlichen Schwachstellen dann unter dem Druck der starken Konkurrenz doch endlich behoben hat.

Google hat noch nicht verloren, aber es versäumt immer mehr auf seine Nutzer und Fans zu hören. In meinen Augen verwendet es auch falsche Messgrößen für seinen Erfolg oder Misserfolg, es wird zu sehr auf Quantität und zu wenig auf Qualität geachtet.

Als alter Mann habe ich viele kommen und gehen gesehen, bei Google täte es mir aber ehrlich gesagt leid, wenn ich seinen Niedergang auch noch erleben würde. Google Adsense hat mir erlaubt, viele Informationen ins Netz zu stellen, ich bin zwar bei weitem nicht reich geworden, aber das Geschäftsmodell mit der Werbung hat mein Hobby ausreichend finanziert.

Also gebe ich die Hoffung noch nicht auf. Jedoch ist die Schnelligkeit im Netz gefährlich und bessere Konkurrenz zu verführerisch.

 

 

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