OTTO BUCHEGGER ERZÄHLT

Die Evolution misst Erfolg in der "Ausbreitung in Raum und Zeit". Eine erfolgreiche Art lebt also an vielen Orten und/oder über eine lange Zeitspanne.

Man könnte nun meinen, dass man für andere Objekte Erfolg ebenfalls erzielt, wenn man ihre Ausbreitung in Raum und Zeit fördert. In der Tat kennen die Religionen, die lange überlebt haben, die Missionierung dafür und um Zeiten zu überdauern, haben sie ihr Wissen auch in entsprechenden Büchern (z.B. Bibel, Koran, Talmud) dokumentiert.

Der Begriffs des Eigentums, die Verfügungsgewalt über Gegenstände, hat nun einen Einfluss, der der Ausbreitung entgegenwirkt. Wir wollen nicht, dass unser Eigentum auch allen anderen gehört, es soll nur uns gehören. Dieses Konzept hat sich bewährt und es soll auch hier nicht in Frage gestellt werden. Als problematisch halte ich nur die sture Übertragung des Eigentumbegriffs auf immaterielle Güter, allgemein als "Geistiges Eigentum" bezeichnet.

Die ursprüngliche Motivation für Geistiges Eigentum mag die Vorstellung gewesen sein, dass sonst niemand diese wichtigen Produkte schaffen würde. Da habe ich doch große Zweifel, dass dies auch heute noch stimmt. Meist sind ja gar nicht die geistigen Schöpfer die Profiteure, sondern die, die clever zuerst die Patente eingereicht haben oder die Verleger, die Distributoren, die Nachkommen oder andere, die überhaupt nichts dazu beigetragen haben, sondern nur den Rahm abschöpfen wollen.

Es wird gerne die pharmazeutische Industrie als Beispiel angeführt, dass Fortschritt nur durch langen Patentschutz finanzierbar ist. Für die Blockbuster in der Produktlinie mag dies stimmen, aber wenn man genauer hinschaut, dann sieht man auch, dass dieses Finanzierungsprinzip schlimme Nebenwirkungen hat. Denn wer kümmert sich um die vergessenen Krankheiten und Kranken, die nicht die Eigenschaften haben, die sich für Blockbuster rentieren: Man lebt lange damit, sie verursachen große Schmerzen, es gibt viele Betroffene und sie sind reich.

Positiv an den Patenten ist in meinen Augen aber, dass sie veröffentlicht werden müssen, also zum Wissen der Menschheit beitragen. Als ausgesprochen negativ aber betrachte ich die hohen (u.a. auch finanziellen) Hürden, die zum Erlangen notwendig sind, wie auch den Umfang, sowohl von den Begriffen (was alles patentiert werden kann), wie auch von dem zeitlichen und räumlichen Gültigkeitsbereich.

Soll die Menschheit schneller lernen können, dann muss hier ein Umdenken stattfinden. Es muss leichter werden, ein gutes Produkt oder eine gute Idee zu kopieren, zu verbessern und zu verbreiten und zwar auf allen Gebieten. Das dies nicht gleich in den Ruin führt, sondern sogar für alle sehr förderlich sein kann, zeigt das TED-Video von Johanna Blakley.

Es sind meist die Besitzenden, die Reichen oder auch die reichen Länder, die sich stets fast fanatisch für die Verschärfung oder zumindest Einhaltung von Schutzrechten einbringen. Aber sie vergessen oft, wem sie diesen Reichtum verdanken. Es sind nicht nur ihr eigener Fleiß, ihre Intelligenz und Kreativität, sondern auch unzählige andere Faktoren, wie Infrastruktur, Ausbildung, für die sie wenig bezahlen, sondern für die die große Zahl der Steuerzahler aufkommt. Es wäre also nur fair, wenn sie sich dafür auch mit niedrigen Produktpreisen bei ihren Kunden bedanken würden.

Der Unterschied bei diesen Themen liegt im Blickwinkel. Betrachten wir z.B. Wissen als "Ware" oder als erhaltenswertes "Kulturgut"? Im ersten Fall wollen wir es nicht teilen, im zweiten Fall schon. Wie immer bei solchen Konflikten haben beide Seiten im Extrem recht, es muss also ein goldener Weg in der Mitte gefunden werden.

Diese Ansätze müssen von der Politik kommen, denn die Märkte versagen auf diesem Gebiet, wie wir wissen. Wie man in speziell in Deutschland Schutzrechte pervertiert, kann man an diesem Beispiel von Eric Withacre studieren. Ich sehe in der raschen Akzeptanz der Forderungen nach Nutzerrechten (z.B. in der Digitalen Gesellschaft) einen latenten Wunsch des Souveräns, hier Änderungen einzuleiten!

Der Umgang mit dem Kopieren ist ein gutes Maß für Freiheit oder Unterdrückung in einer Gesellschaft. Herrscht ein leichter Zugang zu Kopiergeräten (Kopierer, Drucker, Scanner, Fotoapparate) und zu Datenspeichern (Internet, Datenbanken, Enzyklopädien) oder gibt es viele Verbote? Die Erlaubnis zum Kopieren hat in unserer Gesellschaft viele Namen: Lizenzierung, Franchising, Zitieren, Replika, Druckerlaubnis, u.a.m. Unerlaubte Kopien sind u.a. Fälschungen, Fakes, Plagiate, Imitationen, Raubkopien.

Eine weitere Grundfrage dabei ist, welches Ziel angestrebt wird. Ist es nur Ruhm, dann ist die ungebremste und auch unkontrollierte Ausbreitung sinnvoll (virales Marketing), ist es Geld oder Macht, dann wird man eher das Gegenteil davon anstreben. Dabei ist meine Meinung, dass es für Einzelpersonen immer vorteilhafter ist, auf den Ruhm zu achten, denn er lässt sich relativ leicht in Geld umwandeln, während es hingegen für sie viel aufwändiger ist, durch Geld Ruhm zu erlangen.

Auch für Firmen oder andere Organisationen kann es sinnvoll sein, die Verbreitung ihrer Produkte frei zu geben, d.h. sie zu verschenken. Denn sie erzeugen damit einen Standardisierungs- oder Nachfrageeffekt, der in der Folge wichtiger werden kann, als das Geld der Anfangsphase.

Und so habe auch ich mich entschlossen auf das Copyright Zeichen auf den Opa Otto Seiten zu verzichten. Wer will, soll sie kopieren und wer anständig ist, legt als Gegenleistung oder Referenz ein Link auf diese Seiten!


Philosophie des Kopierens

Jetzt unabhängig von Patenten, Schutzrechten, Lizenzen, Plagiaten und anderen juristischen Begriffen, das Kopieren ist eine der wichtigsten Kulturtechniken überhaupt. Nennt man es jetzt lernen, nachmachen, nachahmen, imitieren, Vorbilder haben, stets wird ein erfolgreiches Verhalten kopiert.

Kopieren hat Volkswirtschaften erfolgreich gemacht, siehe Japan nach dem zweiten Weltkrieg, hat westliche Automobilfirmen gerettet (die dann japanische Konzepte kopiert haben), hat Kultur verbreitet und weiterleben lassen und vieles anderes mehr. Unter dem Strich hat Kopieren die Menschheit wohlhabender und in jeder Beziehung reicher gemacht. In Schweden hat das Kopieren sogar eine eigene Religionsgemeinschaft bekommen. Dies war für mich ein Grund, einmal über Grundsätzliches dazu nachzudenken.

Beim Kopieren gibt es immer ein Original, einen Kopierprozess (das Kopieren im engeren Sinn) und als Ergebnis eine oder mehrere Kopien. Es hat viele verschiedene Namen wie Produzieren, Ausbilden, Wiederholen, Drucken, Klonen, etc., die alle auf dem gleichen Prinzip beruhen.

Kopieren macht nur Sinn, wenn das Original erfolgreich ist, oder eine andere wichtige Eigenschaft hat, wie schön, billig, effizient etc. Niemand käme auf die Idee Mißerfolg, Mist oder Schrott zu kopieren. Kopieren bedeutet also immer eine Auszeichnung für das Original.

Es entsteht Verständnis für das Original, wenn es mit Verstand kopiert wird. Kopieren fördert Kapieren. Es wird in vielen Fällen damit ein Lernprozess eingeleitet und die Kopie kann dann besser als das Original werden. Dies kann sogar soweit gehen, dass das Wissen über das Original verloren geht, es sich aber durch das Kopieren weiterentwickelt hat.

Kopien und Original stehen immer in einer Beziehung zueinander, die alle Facetten annehmen.kann  Sie kann nützlich oder schädlich sein. Nur selten wird sie neutral sein. Besondere Aufmerksamkeit nimmt dabei der Wert von Original und Kopie ein. Das Porträt der Mona Lisa im Louvre wäre ein unscheinbares, kleines Bild, wäre es  nicht millionenfach kopiert worden. Hier hat jede Kopie den Wert des Originals erhöht. Andererseits haben Kopien (sogenannte Fakes) der teuren schweizer Markenuhren deren Nimbus zerstört.

In der Praxis unterscheiden sich Kopien fast immer von den Originalen und sie sind nicht selten neue Unikate. Lediglich Kopierprozesse mit Computern können perfekte Kopien erstellen.

Der beste Kopierschutz ist Innovation. Wenn sich das Original schnell und oft zu seinem Vorteil ändert, dann wird es schwer sein, es zu kopieren. Und wie wir übrigens von den Viren wissen, es auch zu bekämpfen.

Es steckt oft mehr Wissen im Kopierprozess, als im Original. Mit anderen Worten, der Fabrikationsprozess ist oft schwieriger zu handhaben, als das Design. Wer also seine Produktionsprozesse auslagert oder ganz aufgibt, der riskiert auch die Kontrolle über sein Produkt zu verlieren.

Wer als geistiger Arbeiter oft kopiert, der sollte folgende Grundregeln kennen:

Es wäre zum Wohle der Menschheit, wenn unsere technischen Fähigkeiten der Vernetzung (Internet, Social Networks), des kollektiven Erstellens und Teilens (Wikipedia, Open Source), der perfekten Darstellung und Speicherung digitaler Werke eine neue Denkweise fördern. Wie man es richtig macht, kann man z.B. auf TED ("Ideas worth spreading") sehen, eine in Deutschland immer noch nahezu unbekannte Informationsquelle.

 

 

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